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Ästhetik der Freiheit

Liberte, perdu

Es ist wie im Halbschlaf. Der Augenblick indem wir im warmen Bett liegen, vollkommen erfasst von einer angenehmen Bettschwere. Kaum ein Muskel ist angespannt. Erste Bilder, Vorboten der Träume, bereit uns in den Schlaf zu tragen, erscheinen vor unserem inneren Auge.
Noch sind wir wach genug und könnten aufstehen. Noch können wir unsere Gedanken abbrechen und lenken, wenn es unangenehme oder absurde sind.
Manchmal erscheinen Bilder aus unserer Kindheit. Spontan springen wir auf das Fahrrad. Immer nur dem Augenblick verpflichtet. Kräftig in die Pedale tretend. Geschwindigkeit aufnehmend. Sich an der Geschwindigkeit berauschen, die uns den Wind durch die Haare fahren lässt. Jetzt sind wir schneller als unser Körper. Ein erhabenes Gefühl. Natürlich fahren wir zu schnell. Die Folge der spontanen Fahrt sind Abschürfungen und blaue Flecken. Weinend und schluchzend stehen wir Zuhause vor der Mutter. Unsere Mutter weiß immer Rat. Immer. Liebevoll versorgt sie die Wunden.
Jod, das lilafarbene Wundermittel. Es brennt. Zum Glück ist die Schulter der Mutter nicht weit entfernt. Fast im gleichen Augenblick hört der Schmerz auf. Das Knie ist jetzt bunt. Zumindest lila. Das ist interessant. Jetzt noch ein buntes Pflaster und der Schmerz hat endgültig verloren. Das Fahrrad wird wieder wichtig. Wo ist es?
Es ist die Wiederholung des ewig gleichen. Immer das gleiche Ritual. Ob wir auf Bäume klettern, mit dem Roller oder Fahrrad fahren oder einfach nur übermütig gerannt sind.Jedes mal trocknen die Tränen an der Schulter der Mutter oder manchmal auch des Vaters, folgen Jod und ein buntes Pflaster.