Der Künstler

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„Der Verlust von Freiheit geht nicht immer zu Lasten der Kunst“. Roland Orlando Moed

„Money make the world go round, but art is building the world“. Roland Orlando Moed

Künstler und Verbrecher sind doch Weggefährten, schrieb Josef Beuys.

„Beide sind ohne Moral, verfügen über eine verrückte Kreativität, nur getrieben von der Kraft der Freiheit „.

Der Künstler :

Portrait

Roland Orlando Moed wurde am 08.Januar 1961 in Frankfurt am Main geboren. Seit Anfang der 90er Jahre lotet er die Grenzen der Gesellschaft und auch der Kunst aus. Er arbeitet als Maler, Bildhauer, Schriftsteller,Philosoph und Aktionskünstler. Kurz: Interdisziplinär. Zunächst schloss er sich der Künstlergruppe „Mülheimer Freiheit „an, ohne Mitglied der Gruppe zu sein. Wie bei allen Protagonisten der „Mülheimer Freiheit „, entwickelte sich seine soziologisch-philosophische Kunstauffassung, aus der traditionellen Malerei.

Biographie

Moed wuchs in verschiedenen Kinderheimen inScheidegg   (1967-1969), in Unterschönmattenwag (1969-1970), Weinheim  (1970-1972) und im Internat in Friedrichsdorf (1972-1979, Max-Plank Gesamtschule ),auf.

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Von 1981-1987 studierte er bildende Kunst in Darmstadt bei M.Schlösser und P.Koslowski. Anschließend ein Semester Germanistik bei Prof. Dr. Hubert Ivo und Psychlogie bei Prof.Dr. Hilde Bürger an der Johann-Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt.

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1991 „entdeckte “ er den Stacheldraht.  „Mit der Verwendung von Stacheldraht,  gebe ich der Skulptur den Innenraum wieder“. In gewisser Weise spiegeln die Stacheldrahtarbeiten sein Selbstbild wieder: Das Gefühl kultureller Isolierung.

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Titel : L ‚ universe,  bemalter Stacheldraht  200 cm Ø

Bis er schließlich den Stacheldraht vom Bild befreite und den Stacheldraht als Grundlage verwendete.

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Titel: Das Portait, 70 x 30 x 15 cm bemalter Stacheldraht auf Leinwand auf Holz

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Titel: die Melancholie, 120 x 150 x 90 cm bemalter Stacheldraht

Kein anderes Industrieprodukt ist so bedeutungsgeladen wie der Stacheldraht. Besonders in Deutschland gilt er als das Symbol für Gefangenschaft, Krieg und KZ schlechthin.

Er schrieb die Materialästhetik des Stacheldraht:

Zeitgleich entstand sein Homunculus-Zyklus.  Gesichter schematisch begradigt, Maschinen ähnlich in starken Primärfarben.

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Titel: Ost/West, 1991 Acryl auf Nessel  150 x 150 cm

Titel:Beherrschung und Wut, 1992, 170 x 150  cm, Acryl auf Leinwand ,Homunculus-Zyklus 

Die thematische Arbeit in Zyklen kommt dem Naturell des Künstlers entgegen. Parallel zur bildnerischen Umsetzung des jeweiligen Themas,  entstehen Essays und Abhandlungen. Er durchdringt ein Thema auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Stilmittel.

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Titel: Die Auslese, 1991, 150 x 150 cm Acryl auf Nessel

Während seines Studiums arbeitete et an der Deutschen Börse. Wenig später lernte er den Besteckkönig und Kunstsammler Friedhelm Glaub kennen,  der einige seiner Werke kaufte.Jahre später richtete Glaub dem Künstler eine Ausstellung in seiner Galerie in Köln aus. Titel der Ausstellung::“la recherche“, nach Marcel Proust.

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Mit diesen Werken soll dem Betrachter Raum für die Phantasie gegeben werden. Eine Filmrolle trägt den Titel : „Schweizer Alpen „, der Betrachter hat eigene Bilder im Kopf,  die er in das Bild transportieren kann. Ebenso verhält es sich bei den Leinwandbildern. Nur der Titel ist vorgegeben,  der Rest bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen.

Erstes Aufsehen erregte Roland Orlando Moed zu Beginn der 1990er mit seinen „Umgehungsbilder „. Er hängte seine Bilder nicht mehr mit der Rückseite zur Wand,  so dass  sie nur frontal von einer Seite zu betrachten sind,  vielmehr hängte er sie mitten im Raum auf. Der Betrachter muss das Bild „umgehen „, will er es in seiner Gesamtheit erfassen. Beide Seiten vereinigen sich zu einem Bild. Sie ergänzen sich wie zwei Seiten einer Medaille.

1994 siedelte er mit seiner zweiten Frau Johanna nach Frankreich um. In der Abgeschiedenheit eines kleinen Dorfes unweit von Montpellier entstanden Stacheldrahtobjekte mit lyrischem Charakter. Er veröffentlichte in der Schweizer Weltwoche.

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2001 legte er mit dem Kunst – und Literaturmagazin :“ Enterview „, das erste Multiple Kunstwerk auf, das man am Kiosk kaufen kann.  Kunst,  so die Intension muss den Weg in den herkömmlichen Alltag finden.  Es muss vollkommen selbstverständlich werden Kunst zu kaufen.

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Wie bereits bei seiner Beschäftigung mit dem Stacheldraht begann er Anfang des Jahrtausends,  Staub und Glasscherben in seine Bilder zu integrieren. Er schuf damit eine neue Ästhetik „…unter seinen Händen scheinen sich die Glasscherben neu zu beleben,  sie beginnen zu glitzern und reflektieren wie in einem Prisma die Farben und Lichtstrahlen, die auf sie einfallen“. Peter Schütt

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Mit seinen Glasmenschen macht sich der Künstler zum Chronisten der Zeit. Die politisch geforderte Transparenz wird visualisiert. Ein Mensch aus Glas. Durchsichtig ohne Innenleben. Der Seele beraubt. Die Transparenz vetkommt zur leeren Hülle. Der Künstler weist mit seinem Werk stets auf die Kehrseite der Medaille. Er macht sichtbar,  was dem oberflächlichem Blick versagt bleibt.

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Der Künstler lebt und arbeitet in Zürich, Berlin, Montpellier und Mariehamn/Åland.

Werk:

In seinem Werk versucht er , manchmal auf subversive Weise,  die Freiheit der Kunst und des Menschen auszuloten.  So sind seine  Installationen mit Titeln wie,  „vergangene Zukunft „, (1993)

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oder: „die Entdeckung  (2013)

R.O.M. Die Entdeckung 2013 Berlin: http://youtu.be/3shBDGGXXuw

Hierbei zeigt er sich als Solitär der Kunstszene.  Das Bild ist entscheidend,  nicht der Stil oder Duktus. Das verwendete Material dient als  Symbol  (Stacheldraht, Glasscherben )

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Mit der Installation : Verdorbene Information,  gibt der Künstler einen Hinweis auf die Informationsflut und mit den Glasscherben in den Bildern,  auf die schnelle optische Täuschung.

Zeichnungen und Gedichte:

Das zeichnerische Werk beinhaltet eine eigene Bildsprache und führt von frühen realistischen Naturstudien bis zu späten „aufgelösten“ Zeichnungen, die er in seine Ausstellungen und Aktionen einbezieht.

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Skizze, 21×29 cm , 2011, „Verdorbene Informationen „

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Projektskizze, Australien  (in Planung)

Aktionskunst:

Kunstaktionen dienen zur Auslotung der Gesellschaft. Wie reagiert die Gesellschaft auf den künstlerischen Eingriff?  Auf die Intervention?  In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts erklärte er die Stadt Walluf zum Kunstraum. Mit eigens entworfenen Verkehrsschildern gelang es ihm für einen Tag in der Stadt eine einzige verkehrsberuhigten Zone herzustellen. Dem Stadtrat gelang dies jahrelang nicht.

Die Kunstaktion „color move“ , in Zürich schlug im Schweizer Fernsehen und den Nachrichten hohe Wellen. Obwohl die Aktion von der Züricher Stadtreinigung vorzeitig beendet wurde.

Color move : http://youtu.be/zdzhs3ir_AM

Stacheldraht:

Ausgangspunkt der Verwendung von Stacheldraht, ist die Stellung des Individuums in der Gesellschaft. Stacheldraht ist dazu das geeignete Ausdrucksmittel. Durch die Stachel symbolisiert die Skulptur die schmerzhafte selbst Reglementierung und das stechen nach aussen, als Verteidigung der Intimssphäre.

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Syntopien/Performances

Syntopien sind eine eigenständige Kunstform im Œuvre des Künstlers. Schwerpunkt ist das Verhältnis von Wort und Bild. Erste Veröffentlichungen erschienen 2002 im Kunst-und Literaturmagazin „Enterview „.

Dem schließt sich die Performance nahtlos an. In seiner Performance : Hesperiens Wandlung : http://youtu.be/pr9fpQXLTTY

Auch hier ist das Wort, in diesem Fall das gesprochene, das Objekt der Verfremdung bei ständiger Wiederholung.

Zitate:

„Das ICH ist auch im WIR enthalten. “

Auf der Pressekonferenz 1992 zur Ausstellung „Dualismus“

„Wir brauchen kein Matriarchat und kein Patriarchat – wir brauchen ein Duachat in dem beide Kräfte gleichsam wirken. “

Katalog „Dualismus“, zur Erklärung des Begriffs „Femanismus“.

„Die Zeit ist eine Dattel,  man isst sie wenn sie reif ist „.

aus: Arno et Pierre, Lesung in derjungen Akademie,  Berlin 2006

„Money makes the World goes round, but Art is building the world“.

Projekt Beschreibung Human-right-projekt.2011

„Ich habe mich entschlossen an der Realität teil zu nehmen.“

Katalog zur Ausstellung : Evokation, 2013

„Nur wer Freiheit denken kann, kann Freiheit leben! “

In: Kunst, Scham und Beliebigkeit, rolandorlandomoed.wordpress.com 

Alles was ich denken kann ist Realität.

In: Die Materialästhetik des Stacheldrahtes

rolandorlandomoed.wordpress.com 

Förderungen/Auszeichnungen:

2006 Preis der Sammlung Noack

2007 Stipendium Aufenthalt in Romanmontier/Schweiz

2009Goldberg Kunstpreis

 2018Ingeborg Drewitz Literaturpreis

Literatur:

Kunstinitiative Lorch :Annette Bender und Roland Moed zeigen Bilder zum Thema Dualismus : Katalog zur Ausstellung vom 23. Mai bis 14. Juni 1992, Museum Lorch am Rhein. Breitwieser, Wisper, Lorch am Rhein 1992

Roland Moed: Mensch, Mensch, Mensch, Wisper, Lorch am Rhein 1994, ISBN 3-928603-12-4

Roland Moed : Die Geste : ein Worttanz in einundzwanzig Bewegungen. Edition Interdisziplinär, Basel, 2002, ISBN 3-906478-00-9

Roland Moed : Wir Europakinder,  Verlag Tredition, Hamburg 2008, ISBN  978-3-86850-123-0

Roland Orlando Moed : in “ Der blaue Reiter, Journal für Philosophie „, Ausgabe 32,2012 , ISBN  978-3-933722-34-8

Roland Orlando Moed: Stayinart, Kunstmagazin 2020 The next step https://www.stayinart.com/kunst-roland-orlando-moed/

Roland Orlando Moed: Verwirrung am Wegesrand, Süddeutsche Zeitung 25.06.2021. https://www.sueddeutsche.de/muenchen/ebersberg/ebersberg-arkadien-1.5331938

Filmographie:

2004: Interview: Wolf Hermann fragt Roland Orlando Moed , FAB http://youtu.be/hozUrXe-2CM

2013 Aktion Zürich :Color move, http://youtu.be/zdzhs3ir_AM

Ausstellungen/Aktionen:

1990: „Aphorismen „,Galerie,  Groß- Umstadt

1991: „Räume „, Galerie Offenbach am Main

1992:“Zeitgeist „, Galerie Laackmann, Bochum

1992: „Femanismus „, Galerie Atelier unter’m Dach

1992: Femanistische Kunst : „ Dualismus “, Museum Lorch / Rheingau

1992: „Die Kunst der 90er Jahre, Museum Bad Brückenau

1993: „vergangene Zukunft „, Installation im öffentlichen Raum, Neu -Isenburg

1994:“la recherche „, Galerie im Belgischen Viertel,  Köln (Sammlung Glaub)

1994: „Kunstraum Walluf „,  eine Stadt wird Kunstraum, Kunstaktion

1995: „Movement“, Galerie Prochodzenie, Toulouse /Frankreich

1996: „l’esprit“, Galerie Montpellier

1998: „Mise en Szene d’art“, Galerie le cardo,  Narbonne

1999:“Valeur“, Performance Hauptpostfuhramt Berlin mit BBB Johannes Deimling

2000: „Der Kaktus „, Performance Im Paradies,  Basel /Schweiz

2001:“Change the value“, Galerie Prochodzenie,  Dublin, Irland

2002: „Archiv „, Galerie im Warteck, Basel/Schweiz

2003:“Wertewandel“, Novelle Galerie,  Muhlhouse, Frankreich

2004:“Its me“, Galerie Fine Arts, Denver Colorado

2005: „Maybe the time „, Galerie Prochodzenie, Dublin

2010:“ Transformation des Ichs“, Galerie M., Berlin

2011: „Verdorbene Informationen „, freies Museum,  Berlin

2013: „Color move „, Kunstaktion im Öffentlichen Raum,  Zürich / Schweiz

2013:“ Die Entdeckung „, Kunstinstallation ,Berlin

2014:“Evokation „,Ausstellung Art Room, Düsseldorf

Presse:

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Zur Materialästhetik des Stacheldrahtes                                        Preisträger6440791981_7f7ed1f89d_b

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Süddeutsche Zeitung, Kunstverein Ebersberg: Arkadien

Roland Orlando Moed

Um postmodernen, weltweit vernetzten Kunstbetrieb muss sich ein Künstler einiges einfallen lassen, um mit seinen Arbeiten über seine Gemeinde und Landesgrenzen hinaus Beachtung zu finden. Der 1961 in Frankfurt geborene, weit in der Welt herumgekommene und seit 2004 dauernd in Berlin lebende Künstler-Philosoph Roland Orlando Moed erregt mit seinen originellen Kunstaktionen, Performances, Inszenierungen, Materialbildern, Büchern und Skulpturen seit fast drei Jahrzehnten immer wieder über den Kreis der Kunstkenner hinaus öffentliche Aufmerksamkeit – und als „Meister des Stacheldrahts“ oft genug auch Widerspruch. Obwohl der Künstler im persönlichen Auftreten eher bescheiden und zurückhaltend erscheint, sind seine Arbeiten durchaus auf Wirkung bedacht und angelegt. Roland Orlando Moed unternimmt alle Anstrengungen, um den Betrachter aus seiner Reserve herauszulocken und in das Kunstwerk einzubeziehen. Er lädt mit seinen Arbeiten zu einer intensiveren Form des Sehens ein, zum bewussten, über den ästhetischen Genuss hinausgehenden Wahrnehmen und zum Erkennen von Zusammenhängen.

Moeds künstlerische Anfänge sind beeinflusst vom Geist und Stil der „Neuen Wilden“, die sich noch vor dem Umbruch von l989 um die Künstlergruppe „Mülheimer Freiheit“ sammelte, unverkennbar ist aber auch die Nähe zur „Neuen Frankfurter Schule“ um die Satirezeitschrift „pardon“ und den Lyriker Robert Gernhardt. Es entstanden „Antibilder“, die den Sinn hatten, dem Betrachter die eigene Phantasie zurückzugeben und ihm bildhaft vor Augen zu führen, dass ein Kunstwerk erst dann vollendet wird, wenn es den Produzenten verlässt und in der Vorstellungskraft des Konsumenten reale Gestalt erhält. So klebte Moed eine Filmrolle auf eine Leinwand, rahmte das Bild und schrieb darunter: „12 Gebirgsaufnahmen“, oder er befestigte auf einer Papptafel einen Streifen Leinwand und gab der Collage den Titel „Rapsfeld im Sommer“. Mit Gags und Geistesblitzen dieser Art illustrierte der junge Künstler den Gedichtband „Laut und Luise“ des Wiener Sprachspielers Ernst Jandl.

Porträt Roland Orlando Moed

Erstes Aufsehen erregte Roland Orlando Moed zu Beginn der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts mit seinen „Umgehungsbildern“. Er hängte seine Bilder nicht mehr mit dem Rücken zur Wand, sodass sie nur von einer Seite frontal zu betrachten sind, sondern hängte sie mitten im Raum auf, sodass sie von zwei Seiten, von der Vorder- und der Rückseite zu sehen sind. Beide Seiten vereinigen sich zu einem einzigen Bild, weil sie sich ergänzen und wie zwei Seiten einer Medaille aufeinander bezogen sind. Zu seiner ersten Arbeit dieser Art wurde Moed durch eine Umgehungsstraße angeregt, die gegen den Willen der Anwohner und ohne Rücksicht auf die natürliche Umwelt mitten durch ein Wiesental geführt wurde. Vor dem Bau sammelte der Künstler Gräser, Blüten und Schilfblätter und „verpflanzte“ sie auf die Vorderseite der Leinwand. Auf der Rückseite dokumentierte er das Ergebnis des Straßenbaus, indem er Asphalt, Markierungsfarben und Sand auf die Bildfläche auftrug.

In seinem Umgehungsbild mit dem Titel „Vom Entwicklungsprozess“ fügte er auf einer Seite Asphalt, Sand, Ölfarbe, diverse Arbeitsgeräte und ein Paar Arbeitshandschuhe zusammen. Auf die andere Seite montierte er Computerelemente, Drähte und ein Paar Latexhandschuhe. Während die Arbeitshandschuhe noch dazu dienen, den Menschen vor Verletzungen zu schützen, haben die Gegenstücke aus Latex den Zweck, das elektronische Gerät vor den schmutzigen Händen des Menschen zu schützen.

Mit derartigen Arbeiten hat Roland Orlando Moed bleibende Sinnbilder für die Entfremdung des modernen Menschen von seinen Ursprüngen geschaffen. Der Abstand des Menschen zur Natur, zu seiner natürlichen Umgebung und zu den biologischen Wurzeln seiner Existenz wird immer größer. Technik und Elektronik treten an die Stelle der Natur. Der Mensch wird selbst vernetzt, verknotet und verdrahtet und wird zum bloßen Datenträger im weltweiten Netzwerk. Ohne Zweifel wollen diese Werke zeit- und gesellschaftskritisch verstanden werden, aber Moed trägt seine Kritik niemals platt agitatorisch vor, sondern verschlüsselt sie in Sinnbildern und zeichenhaften Dingsymbolen – nicht selten mit einem unverkennbar philosophischen Ansatz.

Als ein Paradestück kreativer Philosophie und als grünes Manifest in künstlerischer Gestalt wurde seine l994 in Neu-Isenburg bei Frankfurt im öffentlichen Raum präsentierte Installation „vergangene Zukunft“ aufgenommen. Eine Stellwand trennte ein Stück Asphaltstraße von einem sandigen, in der Mitte und am Rande mit Gras bewachsenen Feldweg. Der Sandweg wird zur Schnellstraße. Damit ist der Weg in die Zukunft verbaut. Doch die Stellwand versperrt den Blick auf die asphaltierte Straße. Sie ist bedeckt mit sechzig Spiegelscheiben, die den Feldweg reflektieren. Zukunft – das wollte Roland Orlando Moed mit dieser Spiegelwand sichtbar machen – kann es nur geben, wenn wir Menschen zu unseren Ursprüngen zurückfinden und uns auf den Weg „Zurück in die Zukunft“ machen. Kaum einem anderen Künstler ist es gelungen, den Ideen und Idealen der Ökologiebewegung, die in den Neunzigerjahren ihren ersten Höhepunkt erreichte, so bildmächtig und überzeugend Ausdruck zu verleihen. Die Aussage der viel beachteten Installation ist konservativ, wertkonservativ zu verstehen, aber die Mittel, mit denen der Künstler seiner Botschaft Gestalt verleiht, sind im besten Sinne progressiv und innovativ.

„Rote Brombeere“, Photographie, aus dem Zyklus: Update, analog, 150 x 120 cm, 2020
„Amicus“, Glasfiguren, geschichtete Glasscherben, 17 x 7 x10 cm, 2011

GLAS – SCHERBEN UND STACHELDRAHT
Gegenwärtig sind Glasscheiben und –scherben Moeds bevorzugte Arbeitsmaterialien. Er bezieht sie kostenlos aus Altbauten in der Umgebung, in denen die alten Fenster durch moderne Thermopenscheiben ersetzt werden. Aus den Scherben formt der Künstler kleine Skulpturen, die er ähnlich wie die chinesischen Terrakottaarmee in Reih und Glied anordnet. Er erweist sich dabei als wahrer Verwandlungskünstler. Unter seinen Händen scheinen sich die Glasstücke neu zu beleben, sie beginnen zu glitzern und reflektieren wie in einem Prisma die Farben und Lichtstrahlen, die auf sie einfallen. Auch bei diesem Verfahren bezieht Moed den Betrachter mit ein. Jeder sieht etwas, aber jeder sieht etwas anderes und macht sich daraus seinen eigenen Reim. Man kann in den gläsernen Skulpturen die Widerspiegelung einer großstädtischen Straße bei nächtlicher Beleuchtung erkennen oder aber eher metaphysisch den Abglanz des Himmelslichtes.

Moed behandelt wird. Er bezieht die Scherben als wichtiges Gestaltungsmittel in seine großformatigen, mehr oder weniger abstrakten Wandbilder ein. Zu den gläsernen Elementen in allen Größen und Formen kommen andere Materialien wie Sand, Pigment, Nagellack, Glitzerzeug und stumpfe Farbenüberwiegend von Dunkelrot bis Dunkelblau hinzu. Die reliefartige Bildfläche wird mit Klarlack überstrichen. So bekommt die Collage zum einen Festigkeit und Zusammenhalt und zum anderen eine geradezu phosphoreszierende Leuchtkraft, die das Kunstwerk über die Sphäre des Alltäglichen hinaushebt. Eine Bildmontage, die den Fall der Berliner Mauer zum Thema hat, arbeitet mit helleren Farben und zahlreichen Scherben. In ihnen spiegelt sich zum einen die Freude der Menschen, die sich ihre Freiheit erkämpft haben. Andererseits symbolisieren die Glasbausteine aber auch, wie zerbrechlich das Glück des Augenblicks ist, als gelte es, den Sinn des Sprichworts darzustellen: „Glück und Glas – wie leicht bricht das!“

Seitdem Joseph Beuys Filz, Fett und Honig in seine Kunstwerke integriert hat, ist die Verwendung von natürlichen und künstlichen Materialien in der Gegenwartskunst weit verbreitet. Aber vor Roland Orlando Moed ist kein Künstler auf die Idee gekommen, ausgerechnet den Stacheldraht als Grundmaterial für seine Skulpturen zu verwenden. Kein anderes Industrieprodukt ist so bedeutungsgeladen wie der Stacheldraht. Besonders in Deutschland gilt er als das Symbol für Gefangenschaft, Krieg und KZ schlechthin. Moed schiebt diese Last der Geschichte beiseite und entwickelt eine „Materialästhetik des Stacheldrahts“ – so der Titel eines seiner kunsttheoretischen Essays. Der Stacheldraht wird in der Regel nach seiner Herstellung auf eine Rolle gewickelt. Stacheldrahtskulpturen wirken dreidimensional, als wären sie in der Luft gezeichnet, sie sind durchsichtig und durchschneiden den leeren Raum. Die aus Stacheldraht gefertigten Arbeiten setzen sich ähnlich wie Mobiles schon bei einem leichten Lufthauch in Bewegung und verändern dadurch beständig ihre Umrisslinien. Die Stacheln dienen dem Auge als Haltepunkte und verleihen dem Kunstwerk zugleich eine Aura der Unberührbarkeit – in einem ganz unmittelbaren Sinn.

Ein bleibendes Meisterwerk ist in meinen Augen Roland Orlando Moeds luftige Figuration „L’univers“. An einer Decke hängt über den Köpfen des Betrachters ein aus Stacheldraht geformter, also verformbarer und geometrisch keineswegs exakter Globus. Darin ist ein stacheldrahtiger Mensch gefangen –wie ein Turner im Rhönrad oder ein Hamster in der Rolle. Der Mensch dreht und wendet sich in seinem runden Käfig und scheint dabei dem Blick des Betrachters zu folgen. Er ist an die Erde gebunden und gefesselt, aber er möchte seine irdische Begrenztheit verlassen. Er strebt über die erdgebundene Existenz hinaus und drängt hinaus und hinauf in höhere, in himmlische Sphären. Das kann ihm aber nur gelingen, wenn er seine irdische Hülle sprengt – wie ein Küken die Schale des Eis. Nicht alle Stacheldrahtskulpturen verlangen nach einer philosophischen oder metaphysischen Deutung. Roland Orlando Moed verwendet den sperrigen Draht nicht selten sogar spielerisch und vermag ihm sogar erotische Reize abzugewinnen. Eine von ihm aus Draht gebogene„Venus von Milo“ wirkt so dünnhautig wie ein magersüchtiges Model. Aus Stacheldraht formt Moed sogar einen zierlich wirkenden weiblichen Schoß: eine Liebesfalle, die männliche Träume und Ängste gleichermaßen verkörpert.

Passend zur momentanen Finanzkrise mit ihrer wundersamen Geldvermehrung schafft er aus Stacheldraht einen Geldbaum, dessen Stacheln er mit lauter wertlos gewordenen Geldscheinen und Banknoten aus aller Herren Länder behängt. Dazu passt die kleine Skulptur „Geben und Nehmen“. Zwei Hände greifen ineinander. Eine gibt, die andere nimmt. Ein fester Händedruck bleibt aus. Einer überaus artifiziell erscheinenden Arbeit hat Roland Orlando Moed den Titel „Der Seiltänzer“ gegeben. Die Titelfigur stolziert scheinbar leichtfüssig über einen Abgrund, während unter ihm die Zuschauer mit langen Hälsen gaffen und nur darauf warten, dass der Balancekünstler abstürzt. Das ist ein Sinnbild für den Drahtseilakt, den der moderne Künstler zwischen seinem ästhetischen Anspruch und der Sensationslust des Kunstbetriebs zwangsläufig leisten muss.

AUSZEICHNUNGEN
Für sein bisheriges Schaffen wurde ihm 2009 der renommierte Goldberg-Preis zugesprochen. Und 2018 sogar der Ingeborg-Drewitz Literaturpreis. Damit gehört der Künstler-Philosoph Roland Orlando Moed zu den wenigen Preisträgern die in verschiedenen Genres ausgezeichnet wurden. Mit seiner neuesten Aktion: „Update, analog“, findet er wieder den Weg zu seinen Wurzeln. Seine sozial-kritische Haltung manifestiert sich darin, dass er nun die Natur „anmalt“. Wieder folgt der Hinweis auf die Natur, ihren Zustand und das verantwortungslose Vergeuden der Ressourcen. Indem er einen Wasserfall bunt färbt, hält Moed uns den Spiegel vor Augen. Wir sehen zwar schöne bunte Bilder, aber das Eigentliche
sehen wir nicht.